
Für eine warme Eröffnung des diesjährigen Festivals sorgte am 16. Juli nicht nur das Wetter, sondern vor allem das einzigartige Phänomen der Opernwelt, der Tenor mit der diamantenen Stimme und dem außergewöhnlichen Charisma, José Cura. Mit seinem ausdrucksvollen Auftritt verewigte er sich nicht nur eindrucksvoll im Festivaltagebuch, sondern auch in den Erinnerungen seines Publikums. Jose Cura zeigte nämlich eine brillante stimmliche Leistung und sorgte mit seiner Ungezwungenheit und Offenheit gegenüber dem Publikum für ein großes kulturelles Erlebnis für alle Anwesenden, und das auch unter extremen Witterungsbedingungen, bei welchen sich extreme Hitze und für den Juli ungewöhnliche Kälte abwechselten. Die Launen des Wetter drückten auch dem zweiten Konzert des Festivals ihren Stempel auf - der Fortsetzung des erfolgreichen Musicalprojektes Nacht am Broadway, welche bei strömendem Regen stattfand. Die hervorragenden Sänger und populären Melodien vermochten die Besucher dennoch zu fesseln und wirklich gut zu unterhalten.

Das zweite Wochenende wurde durch Oper und Jazz bestimmt. Das Wetter beeinflusste auch die Aufführung von Mozarts Oper Don Giovanni, welche das Festival in Zusammenarbeit mit dem Südböhmischen Theater vorbereitet hatte und welche entgegen aller Pläne nach der Hälfte der Vorstellung von der drehbaren Zuschauertribüne in die Schlossreitschule umziehen musste. Die Herrlichkeit des Werkes sowie die hervorragende Besetzung und musikalische Darbietung begeisterten jedoch auch ohne die Kulisse des Schlossgartens die Zuhörer, und so scheiterte auch die konzertante Aufführung nicht. Jazzliebhaber wurden vom Auftritt des famosen australischen Multiinstrumentalisten James Morrison angezogen, welcher dem Publikum im Brauereigarten mit seinen atemberaubenden Interpretationen bekannter Standardwerke des Jazz wortwörtlich einheizte.

Einen Höhepunkt vollkommener Spielkunst und einfallsreicher Dramaturgie bot das Internationale Musikfestival Český Krumlov seinen Besuchern am 31. Juli mit dem Konzert der Ikone des Violinenspiels der heutigen Zeit, der lebenden Legende, die sich bereits jetzt rechtmäßig zur goldenen Riege der weltbesten Violinisten aller Zeiten zählen darf, des Letten Gidon Kremer und seinem herausragenden Streichorchester Kremerata Baltica. Der überwältigende, satte und samtweiche Klang des Kammerorchesters, welches Kremer vor dreißig Jahren begründete, um die kulturelle Entwicklung des Baltikums zu unterstützen, begleitet von der feinfühligen Virtuosität und dem technisch brillanten Spiel Kremers selbst, ertönte mit frischem Repertoire und wurde zum klassischen Höhepunkt nicht nur des diesjährigen Festivals.

Nach dem künstlerischen Höhepunkt waren gastronomische Genüsse an der Reihe. Die Tradition musikalisch-gastronomischer Abende wurde am Samstag, dem 7. August, im durchnässten Brauereigarten nämlich mit dem Mexikanischen Abend fortgesetzt. Bunte Ponchos, breite Sombreros, Männer mit schwarzen Schnurrbärten, Frauen mit bunten Blumenkränzen im Haar, lateinamerikanische Rhythmen und gastronomische Spezialitäten ... all das bot der beliebte Farbtupfer der Konzertreihe des Festivals.

In einer Fontäne rassiger Musik aus Russland, Rumänien, Ungarn und anderen slawischen Ländern, zusammen mit Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate und Aram Chatschaturjans Säbeltanz erklangen danach weitere warme Farbtöne des imaginären künstlerischen Regenbogens des diesjährigen Festivals. Unser führender Geiger Pavel Šporcl brachte dieses Jahr für seinen lebhaften Auftritt die Zigeuner-Zimbelkapelle Romano Stilo mit nach Český Krumlov und präsentierte mit ihr vor mehr als siebzehnhundert Zuschauern sein erfolgreiches Projekt Gipsy Way.

Am Samstag, dem 21. August, riss dann der brillante israelische Geiger Vadim Gluzman mit seiner Interpretation von Tschaikowskys Violinkonzert in D-Dur das Publikum des Abschlusskonzertes des IMF Český Krumlov in einer solchen Weise mit, dass es spontan fast unmittelbar, nachdem die letzte Note verklungen war, "Standing Ovations" gab und so das gesamte 19. Festival zu einem erfolgreichen Abschluss fand. Es wäre falsch, die Reihe von Kammerkonzerten nicht zu erwähnen, welche überwiegend führende tschechische Künstler im Maskensaal gaben und die wie eine Perlenschnur das musikalische Menü des diesjährigen Festivals schmückten.

Dem 19. Festival gelang es rundum, durch meisterhafte künstlerische Vorführungen zu entzücken und entspannt zu unterhalten, und so legte es die Messlatte ein wenig höher. Kommt Ihnen nun die Frage in den Sinn, was zum 20. Festival stattfinden wird? Das ist noch streng geheim, Sie können uns aber glauben, dass Sie sich zu Recht darauf freuen können und dass man sich nicht nur in Český Krumlov lange an die künstlerisch großartige Feier des Eintritts in die dritte Dekade des Festivals erinnern wird ...







