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DAS NEUNZEHNTE IST TOT, ES LEBE DAS ZWANZIGSTE!

Das Abschlusswochenende des 19. Internationalen Musikfestivals Český Krumlov zollte zuerst am 20. August dem polnischen Komponisten Chopin Tribut mit dem Konzert namens „Tribut an Chopin“, auf welchem Kammerversionen seiner Klavierkonzerte vom Pianisten Jan Simon und dem Pražák-Quartett dargeboten wurden. Am Samstag, dem 21. August, gipfelte dann das 19. Festival in einem Konzert des berühmten israelischen Violinisten Vadim Gluzman und des Tschechischen Rundfunksymphonieorchesters unter der Leitung von José Miguel Rodilla. Der feierliche Abschlussakt im Masken- und Spiegelsaal des Staatlichen Schlosses Český Krumlov fand im Beisein prominenter Vertreter aus Politik, Kultur und Wirtschaft statt.

BRAVO, GLUZMAN!

Der geniale israelische Geiger Vadim Gluzman verzückte das Publikum des Abschlusskonzertes des 19. Internationalen Musikfestivals Český Krumlov am Samstag, dem 21. August, mit seiner Darbietung von Tschaikowskys Violinenkonzert in D-Dur, welche er im Saal der Schlossreitschule zeigte, und der legendäre Violinist Leopold Auer, auf dessen Instrument Gluzman spielte und welchem Tschaikowsky sein Konzert gewidmet hatte, hätte beim Zuhören sicher seine Einschätzung bezüglich der angeblichen "Unspielbarkeit" dieses Werkes bedauert. Vadim Gluzman gelang es nämlich, es in vollem Umfang sowohl technisch als auch künstlerisch in Vollkommenheit wiederzugeben. Anmutiger Klang, eine schöne Melodie, eine unglaubliche Leichtigkeit und das selbst in den schnellsten Passagen ließen praktisch jeden den Atem anhalten. Gluzman zeigte jedoch nicht nur trockene technische Vollendung, dieser ukrainische Virtuose war in der Lage, selbst die feinsten Details dieses Konzertes darzustellen - von sanfter Lyrik über melancholische Düsternis bis hin zu satter Melodik und slawischer erdiger Prägnanz. Gluzmans Auftritt faszinierte das Festivalpublikum so sehr, dass nahezu unmittelbar auf die letzte gespielte Note des Werkes begeisterte stehende Ovationen des Publikums folgten. Positiv kann auch das Tschechische Rundfunksymphonieorchester bewertet werden, welches unter der Leitung des spanischen Dirigenten José Miguel Rodilla eine konzentrierte Leistung zeigte. Den definitiven Schlusspunkt des 19. Festivaljahrganges bildete Dvořáks Achte Sinfonie - ein Werk voll Behaglichkeit, Ausgeglichenheit und heldenhafter Stärke, welches von den Schönheiten der Natur, dem Zauber eines Sommermorgens und einfach von der Freude am Leben erzählt. Das Tschechische Rundfunksymphonieorchester konnte eine der Juwelen tschechischer Musik so voller Klangreichtum, mit kontrastreichen Schattierungen einer breiten Stimmungspalette, angemessener Dramatik und volkstümlicher Rhythmen vortragen und den tschechischen Charakter des Werkes so herausstellen, wie es sich für ein tschechisches Orchester gehört. Rodilla, aus dem Gedächtnis dirigierend, führte so mit seinen einfachen und eleganten Gesten zum erfolgreichen Finale nicht nur des Samstagabends, sondern auch des 19. Festivals.

Und welchen Bezug zu Tschaikowskys Konzert hat Vadim Gluzman selbst:

Das ist definitiv eines meiner Lieblingskonzerte für Geige, welches eine unglaubliche Interpretationstradition hat. Allerdings fühle ich immer eine große Verantwortung, wenn ich ein solches Meisterwerk auf der Bühne spiele, aber ich beziehe auch viel Aufregung aus dem Spiel selbst. Tschaikowsky komponierte dieses Konzert für Leopold Auer, der es leider nicht spielen wollte. Es ist schicksalsträchtig, dass ich dieses Konzert heute mit der Geige aus Stradivaris Werkstatt spiele, die einst Auer gehörte und die ich heute von der Stradivari Society in Chicago ausgeliehen habe. Das macht dieses Stück für mich noch besonderer. Obwohl ich dieses Konzert weltweit schon unzählige Male gespielt und aufgenommen habe, freue ich mich ungemein über jede neue Gelegenheit, Tschaikowsky zu spielen.

DAS 19. IMF ČESKÝ KRUMLOV AUS SICHT SEINES PRÄSIDENTEN

Das 19. IMF Český Krumlov ist abgeschlossen. Was sind Ihre Eindrücke von seinem Ablauf und Ihr erstes Fazit?

Mein Gesamteindruck vom Festivals ist der, dass das, was ich vom diesjährigen Festival, von den Konzerten, von der Besucherzahl, von der Teilnahme der geladenen Gäste her erwartet habe, dass sich das alles erfüllt hat. Was ich nicht erwartet habe und womit wir fertig werden mussten, war das Wetter. Als wir dreizehn Konzerte und Aufführungen im Freien planten, dachte ich, dass wir mit dem Wetter ein wenig mehr Glück haben würden, als wir tatsächlich hatten, aber auf der anderen Seite muss ich es sehr hoch bewerten, wie wir, das Publikum und die Künstler mit diesen Widrigkeiten umgegangen sind. Ich denke, man sollte besonders das Konzert mit den Broadway-Musicals hervorheben, weil die Leute nicht aufgegeben haben, sitzengeblieben sind und das Konzert genossen haben. Meine Einschätzung ist also positiv, ich bin zufrieden damit, wie die Besucher das Festival annahmen, in welcher Zahl sie es besuchten, weil es heißt, dass es eine gewisse Geldknappheit bei den Leuten gäbe, aber wir haben davon genau wie im letzten Jahr nichts gespürt. Das Prestige des Festivals wird auch dadurch ausgedrückt, dass in erster Linie der Präsident der Republik, Václav Klaus mit seiner Gemahlin sowie weitere Ehrengäste, darunter Minister und Mitglieder des Kabinetts, die Eröffnung besuchten. Ich würde also sagen, dass das ein sehr guter Vorgeschmack auf das 20. Festival war.

Vor der Eröffnung des diesjährigen Festivals haben Sie gesagt, dass die Entwicklung des Festivals dem Aufstieg in die Etagen eines fünfstöckigen Hauses gleicht und dass Sie denken, dass sich das Festival in etwa auf der zweiten Etage befindet. Wie hat dies den 19. Jahrgang beeinflusst?

Was das angeht, was das Festival einbrachte, dann glaube ich, dass wir einen weiteren Schritt nach oben gemacht haben. Ich will nicht sagen, wie groß dieser Schritt ist, weil nur die Geschichte zeigen wird, wie groß er wirklich war, aber sicherlich stagnierte das Festival nicht, übersprang nichts, wohin wir zurückkehren müssten und umgekehrt haben uns möglicherweise die schwierigen Tage mit schlechtem Wetter noch fester zusammengeschweißt und die Kraft der Organisatoren und der Menschen gezeigt, die hierher kommen. Die Künstler zeigten, dass das Ansehen, welches sie haben, sie dazu zwingt, ihre Leistung auch unter den Bedingungen zu erbringen, die am Tage ihres Auftritts vorherrschen.

Abgesehen von Ihrer professionellen Sicht des Festivalpräsidenten, welches der Konzerte hat Ihnen persönlich am besten gefallen und brachte Ihnen das größte Kunsterlebnis?

Da wir ein mehrgenriges Festival sind, ist es nicht einfach, ein einzelnes Konzert herauszuheben. Wenn wir nur Konzerte klassischer Musik hätten, wäre es wohl einfacher. Selbstverständlich trägt sich in goldenen Lettern der Tenor José Cura in die Annalen des Festivals ein, aber genauso glaube ich auch, dass sich Christiane Noll, James Morrison, Gidon Kremer, Vadim Gluzman und Aris Argiris dort eingetragen haben. Die Eröffnung ist für den Festivalpräsidenten immer außergewöhnlich, und das Konzert kann er selbst nicht wirklich genießen, also war für mich das zweite Konzert von José Cura der künstlerische Höhepunkt. Aber ich möchte bei den anderen Genres zum Beispiel Pavel Šporcl mit seiner Zigeunerkapelle nicht herabwerten. Wir haben Konzerte verschiedener Genres, und jedes sieht sich anderen Erwartungen gegenüber, also lassen sie sich nur danach bewerten, wie sie diese Erwartungen erfüllen. Ich denke, das letztendlich alle Konzerte künstlerisch ausgewogen waren.

Im Rahmen des 19. IMF Český Krumlov fanden vom 16. Juli bis zum 21. August insgesamt 16 Konzerte und 6 Opernaufführungen an 4 verschiedenen Orten in Český Krumlov statt, auf welchen insgesamt 3 Orchester, 10 Kammerchöre und -orchester, ein Chor und desweiteren 8 Sänger, 13 Solo-Instrumentalisten und 4 Dirigenten aus allen Ecken der Welt auftraten. Durch die Tore des Festivals gingen in diesem Jahr 14.500 Besucher, und die Besucherzahlen überschritten bei weitem das Maß von 90% der Gesamtkapazität der Veranstaltungsorte. Sein Gesicht verlieh in diesem Jahr dem Festival der argentinische Tenor José Cura, welcher zweimal für einen ausverkauften Brauereigarten in Český Krumlov sorgte und auf seine Konzerte eine sehr positive Resonanz erhielt und sich so mit goldenen Lettern in das Festivaltagebuch eintrug. Zu den weiteren Höhepunkten des Festivals gehörten die Auftritte des legendären Geigers Gidon Kremer und Kremera Baltica, des Geigers Vadim Gluzman und einer ganzen Reihe weiterer Interpreten. Von den Konzerten anderer Genres erinnern wir uns mit Freude an Nacht am Broadway, den Auftritt des multiinstrumentalen Jazzmusikers James Morrison oder Pavel Šporcl mit der Zimbelkapelle Romano Stilo.

Das Jubiläum des 20. IMF Český Krumlov findet vom 15. Juli bis zum 20. August 2011 statt. Es wird eine großartige Feier geben, welche eine ganze Reihe höchstrangiger Stars der Musikszene in die Tschechische Republik ziehen wird. Das genaue Programm des Festivals wird in den Herbstmonaten dieses Jahres veröffentlicht.

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