Der Präsident der Tschechischen Republik, Herr Václav Klaus, lobte in seiner Eröffnungsrede die Festivalleitung:
„Man muss sagen, dass Mitte Juli für viele der hier Anwesenden, aber auch für die tschechische und die internationale Öffentlichkeit gleichbedeutend mit dem Beginn des Internationalen Musikfestivals Český Krumlov ist. Ich denke, dass wir darin einer Meinung sind, dass es den Organisatoren, der Stadt, den Sponsoren und selbstverständlich auch den auftretenden Künstlern in den vergangenen 19 Jahren gelungen ist, ein sehr hochrangiges Festival zu begründen. Ich weiß nicht, ob neunzehn Jahre wenig oder viel sind. Gemessen am Durchschnittsalter der Krumlover Häuser ist das Festival noch sehr jung. Viele von uns werden zu einer ganzen Reihe internationaler Musikfestivals eingeladen, welche in Tschechien wie Pilze aus dem Boden schießen. Ich denke allerdings, dass wir alle fairerweise zugeben müssen, dass sich dieses Festival immer noch an der Spitze hält. Ich weiß, dass man sich jetzt in Litomyšl über mich aufregt, und über meine Frau in Kutná Hořa, Luhačovice, Hukvald und wer weiß, wo noch, aber ich denke, ich musste das so sagen.“

HERVORRAGENDER JOSÉ CURA oder AUCH OHNE NESSUN DORMA GIBT ES GROSSE OVATIONEN ...
Dieses Jahr war das Eröffnungskonzert des Festivals wirklich sehr feierlich, weil einer der größten Opernstars der Welt, der renommierte argentinische Tenor José Cura, die Einladung des Festivals annahm. Das Programm bestand aus den berühmtesten Arien der italienischen Oper, welche durch Einlagen instrumentaler Opernausschnitte belebt wurden, deren Leitung in den meisten Fällen José Cura selbst übernahm. Curas Gesangspartnerin war die führende koreanische Sopranistin In Hye Kim. Beide Sänger wurden vom Tschechischen Rundfunksymphonieorchester begleitet, dessen Taktstöcke der argentinische Dirigent Mario de Rose führte.
Jose Cura zeigte nicht nur eine brillante stimmliche Leistung, sondern seine Ungezwungenheit und Offenheit gegenüber dem Publikum sorgte für ein großes kulturelles Erlebnis für alle Anwesenden, und das auch unter extremen Witterungsbedingungen, bei welchen die tropischen Temperaturen selbst in den späten Abendstunden nicht auf erträgliche Werte sanken. José Cura bat dann mit Blick auf das Orchester sogar den Präsidenten der Republik, Herrn Václav Klaus, ob sich die Musiker des Orchesters die Jackets ausziehen dürften. Die große Hitze schlug sich jedoch nicht auf die künstlerische Qualität des Konzertes nieder. José Cura kehrte nach sieben Jahren in die Tschechische Republik zurück, seine Stimme, gereift wie Wein, hat eine dunklere Farbe bekommen, ohne ihren anmutigen Charakter verloren zu haben, wodurch sie wortwörtlich jeden überwältigen konnte.

Der einführende suggestive Auszug aus Leoncavallos „Komödianten“, als Cura die Szene ungezwungen von der Seite der Bühne aus betrat, läutete die Zusammenarbeit für das nächste Jahr ein, wenn José Cura auf die Krumlover drehbare Zuschauertribüne gerade wegen der Neuinszenierung der „Komödianten“ zurückkehrt. Danach stellte sich dem Festivalpublikum zum ersten Mal die beste Sängerin Koreas, In-Hye Kim, mit der Arie Pace, pace, mio Dio aus der Oper „Die Macht des Schicksals“ vor.
Darauf folgte einer der Prüfsteine, einige äußerst schwierige Auszüge aus Verdis Oper "Othello". Curas Darbietung der Arien „Dio mi potevi“ und „Niun mi tema“ gehörten zweifellos zu den Höhepunkten des Konzertes. Jose Cura bemerkte dazu auf der Pressekonferenz: "Wenn du dich in den Händen eines guten Dirigenten befindest und dich daran hältst, was Verdi geschrieben hat, ist Othello nicht gefährlich ... Othello ist ein Mörder, jedoch kein Mörder der Stimme... am wichtigsten ist dabei aber die Psychologie der Figur.“ Cura erinnerte sich jedoch humorvoll auch an seinen eigenen ersten Auftritt im Othello: „Als ich 34 Jahre alt war, war mein Hauptziel zu überleben, und zwischen den Akten habe ich die Windeln gewechselt.“ Der Othello von Český Krumlov jedoch war so überzeugend und intensiv, dass niemand im Zweifel darüber blieb, dass José Cura diese Rolle inzwischen perfekt meistert.
An diesem heißen Abend erklangen auch Arien aus Tosca, welche Cura mit symphonischen Auszügen aus den Opern Le Villi und Manon Lescaut ergänzte. Die Tatsache, dass Cura auch ein ausgezeichneter Dirigent ist, ist nicht unbekannt. Seine ausdrucksstarken, charmanten, aber auch sehr präzisen Gesten führten das Tschechische Rundfunksymphonieorchester zu einer sehr guten Leistung. Der Abend gipfelte in Auszügen aus der Oper Madame Butterfly, wobei sich zuerst Kim gefühlvoll der Arie „Un bel di vedremo“ annahm und sich danach beide Sänger mit dem exzellenten Duett „Viene la sera“ aus dieser Oper vom Publikum und dem Hauptteil des Programmes verabschiedeten.

Cura merkte zum Abschluss selbst an, dass, ähnlich wie Sinatra sagte, solange nicht New York, New York erklingt, es keine ständigen Ovationen gäbe, es in der Opernwelt ähnlich ist, wo jeder Kalafs Arie „Nessun dorma“ erwartet, und so durfte auch diesmal diese schöne und anspruchsvolle Arie nicht fehlen, so dass es den ganzen Abend lang ausgiebigen Applaus gab und das Konzert mit stehenden Ovationen endete. Der meisterlichen Darbietung dieser Arie war erneut ein erfrischendes Beispiel aus Curas beliebtem argentinischem Liedrepertoire vorausgegangen - die Lieder „Somos Novios“ und „Esta Tarde Vi Llover“. Der Abend wurde durch ein buntes Feuerwerk abgeschlossen.
Und wie waren die Reaktionen der Künstler nach dem Konzert?
In-Hye Kim sagte: "Ich bin sehr glücklich und geehrt, dass ich mit einem der besten Tenöre der Welt, Jose Cura, und dem exzellenten Tschechischen Rundfunksymphonieorchester auftreten durfte, und das hier im wunderschönen Český Krumlov. Außerdem schauen wir in diesem Jahr auf 20 Jahre diplomatischer Beziehungen zwischen Südkorea und der Tschechischen Republik zurück, und so bin ich überzeugt, dass unsere gute Zusammenarbeit fortgesetzt wird."
José Cura sagte, von den anspruchsvollen Bedingungen des Auftritts körperlich erschöpft, auf dem abendlichen Empfang, dass er zwei Kilo abgenommen habe und fügte humorvoll hinzu, dass es ihm den ganzen Abend über nicht gelungen sei, auch nur eine einzige Mücke zu verschlucken - was als eines der größten Risiken bei einem Open Air Konzert gilt, worauf er bereits während des Konzertes hingewiesen hatte.
Bereits Ende vergangenen Jahres, als der Vorverkauf für den Eröffnungsgalaabend mit dem phänomenalen Jose Cura begann, war klar, dass sie bald ausverkauft werden würde, und so war es sehr erfreulich, dass José Cura sich bereit erklärte, dem Interesse des tschechischen Publikums entgegenzukommen und ein Zusatzkonzert gab. Was allerdings nicht beeinflusst werden konnte, war das Wetter, welches den zweiten Auftritt José Curas unangenehm überschattete, als er in unangenehmer Kälte unbeirrt mit einer über den Rücken geworfenen Decke sang.
„Das war sehr, sehr schwierig. Es mag lustig aussehen, aber das ist es nicht. Wenn Sie einen Tag bei 40 Grad singen und am zweiten Tag bei 12 Grad, dann ist das kein Spaß. Der Temperaturunterschied von 28 Grad ist mörderisch, und das nicht nur deshalb, weil einem kalt wird, man kann sich ja schließlich anziehen, aber das Problem ist, dass die eiskalte Luft, welche man mit dem Mund einatmet, direkt in die Lungen geht. Wenn Sie jetzt (Anm.: in den Nachtstunden) mit dem Mund atmen würden, nicht mit der Nase, dann würden Sie nach dreimal atmen anfangen zu husten. Also stellen Sie sich vor, wie es ist, unter solchen Bedingungen zu singen... das ist sehr, sehr schwer, weil es Ihnen so vorkommt, als ob eiskalte Luft in Ihren Körper gelangt und Ihr Körper beginnt, Schleim zu produzieren, um die Schleimhäute zu schützen, wodurch Sie ständig husten müssen. Wenn das Publikum versteht, dass Sie sich bemühen, aus Liebe zum Konzert alles zu geben, ist das kein Problem, Sie husten und die Leute verstehen das. Ärgerlich ist es allerdings, wenn das Konzert aufgezeichnet wird und die Zuhörer an den Rundfunkempfängern verstehen nicht, was los ist. Das war auch der Grund, warum ich mich bemühte zu erklären, dass es hier kalt, bei Euch zu Hause jedoch warm und gemütlich ist“, sagte Cura nach dem Konzert und fügte hinzu:
„Die Energie hier an diesem Ort ist wirklich herrlich, die Leute, die hierher gekommen sind, sind, soweit ich feststellen konnte, gekommen, um zu genießen und nicht um zu beurteilen, ob es ihnen gefallen hat oder nicht, sondern sie wollten hier einfach eine schöne Zeit verbringen. Sie sehen Menschen im Publikum, die glücklich und begeistert über das Konzert sind, und niemand geht eher. Wenn ein ähnliches Konzert bei vergleichbarem Wetter auf einem anderen Festival stattfände, vielleicht in südlicheren Ländern, dann bin ich mir nicht sicher, ob das Publikum bis zum Ende des Konzerts ausgehalten hätte. Ich erinnere mich an ein solches Konzert in Verona, ein Tropfen Regen reichte, um die Vorführung zu beenden, und alle gingen fort, und wenn es dann aufhört, wird das Konzert fortgesetzt, und wenn nicht, wird es abgesagt. Und hier ist es genau umgekehrt. Heute war das noch nicht so schrecklich, aber gestern war meine Frau bei „Nacht am Broadway“ und die Leute haben der Musik bei Regen gelauscht. Das zeigt, dass Leute schöne Momente gemeinsam genießen wollen, dass sie ungeheuer loyale und leidenschaftliche Zuhörer sind, und Ihr gebt für sie alles, damit sie ein tolles Erlebnis haben, und sie leiden mit Ihnen. Das ist eine wirklich große Sache, die man hervorheben muss."

Der künstlerische Höhepunkt nicht nur des diesjährigen Festivals, Tausende begeisterte Besucher, die schwer mit Worten zu beschreibende Atmosphäre, das waren die zwei Konzerte José Curas in Český Krumlov. Wir sind froh und begeistert darüber, das wir in einem Jahr José Cura in Český Krumlov wiedersehen werden, dann als Canio in Leoncavallos „Komödianten“ auf der drehbaren Zuschauertribüne.








